Prophylaxe

Leider melden sich bei mir auch mal Menschen, die glauben einen suizidgefährdeten Menschen in ihrem Umfeld zu haben. Ob dieser nun wirklich suizidgefährdet ist, können wir nicht beurteilen. Aber auf jeden Falll sollte man hellhörig werden, wenn Menschen so etwas in der Art von sich geben oder sich dem entsprechend verhalten.

Hier kann ich nur bedingt meine Erfahrungen weiterleiten, die ich im
letzten Jahr mit meinem Lebenspartner gemacht hatte, nämlich nach
dem ersten Suizidversuch.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass man einen Suizid nicht verhindern kann, wenn es der Jenige wirklich will. Leider. Traurig,...aber es ist nun einmal so.
Ich zum Beispiel konnte das nur für das eine Jahr verhindern. Viele, die ihm nahe standen und Bekannte, sagten mir: "Er hat doch alles gehabt?
Tolle Frau, war erfolgreich im Beruf?..." Warum?"
Eine Krankheit nimmt leider keine Rücksicht auf all diese Dinge. Man muss aber alles ernst nehmen, was auf einen möglichen Suizid hindeuten könnte. Wenn ein psychisch kranker Mensch erzählt,
- dass er mit dem Leben nicht mehr klarkommt
- sich selber als sehr labil einstuft
- meint, dass es für ihn gefährlich wird, wenn mehrere Belastungen auf  
ihn zukommen
- wenn er in einer psychischen kritischen Phase über ein Leben nach den Tod spricht oder sich damit beschäftigt.
Man sollte beobachten, wie er mit Problemen fertig wird, und ggf. helfen, oder nachfragen.
Aber das alles ist keine Garantie. Menschen können diese Krankheit manchmal sehr gut verstecken. Man sieht es ihnen nicht an.
Mein Partner sammelte Strippen und Bänder, und stand dem Suizid immer offen gegenüber. Wir sprachen über den Enke-Suizid, und diskutierten darüber. Auch das sollte man tun, um evtl die Meinung herauszuhören, wie er zum eigenen Suizid steht.
Aber! wie gesagt, man kann es nicht verhindern. Ich hatte alles getan, was in meiner Macht steht, damit es nie dazu kommt. Und doch kam der Tag. Und es kam doch plötzlich.
Man sollte Hilfe anbieten, und sich mit einem Krisendienst kurzschließen.
Lieder ist es aber so, dass der gefährdete Mensch auch "Wollen" muss.
Wenn jemand keine Hilfe möchte, dann ist man selber auch machtlos.
Wichtig ist, dass man nichts mit Gewalt aufdrängen tut. Das führt dann erst recht zu einer Kurzschlusshandlung.
Allerhöchstes Alarmsignal ist, wenn der Kranke durch einen "hindurchsehen" kann, oder apathisch ist. Wortkarg, total gleichgültig, Atemnot. So war es bei uns der Fall, und zwar 12 Stunden vor dem Suizid. Unbedingt versuchen Hilfe anzubieten! Wie gesagt, dass traurige an der Sache ist, dass der Betroffene auch Hilfe annehmen MUSS. Sonst
funzt das Ganze nicht.  Alle, die dann angerückt sind, werden dann leider unverrichteter Dinge wieder abrücken, wenn der Betroffene das so will. 
Ein suizidgefährdeter Mensch bräuchte in der Regel rund um die Uhr eine Betreuung. Was unmöglich ist.
Wer einen depressiven Angehörigen hat, könnte  sich in eine Selbsthilfegruppe begeben für Menschen  mit depressiven und suizidgefährdeten Angehörigen. Auch kann man Kurse besuchen, die
lehren, wie man mit Depressiven umgeht, bzw. seine eigenen Sinne dafür schärfen kann.

Ein berühmtes Zitat: "Wer sagt, dass er sich umbringen will, tut es sowieso nicht". Das ist ein Trugschluss, der leider immer wieder geglaubt wird. Mein Partner sagte nach seinem 1. Suizidversuch, dass er es nie wieder tun wird. Ich glaubte und vertraute ihm, weil er es so überzeugend gesagt hatte. Weit gefehlt. Sage niemals "nie"


Zum Schluss noch eine Anmerkung. Dies sind meine eigenen Erfahrungswerte. Sie unterliegen keinerlei medizinischem Wissen.
Eine wirkliche Prophylaxe gibt es nicht. Meist muss man hilflos mit ansehen, wie der Mensch an diesen Seelenkrebs dahinraffen tut.
Es liegt letzten Endes in seiner Hand. Die einizige Prophylaxe, die man  für sich selber hat ist, dass man immer damit rechenen muss, dass es eines Tages passieren kann.

In diesem Sinne werde ich mit dem traurigen Kapitel jetzt abschließen.

Ich wünsche euch, dass ihr niemals in eine solche grauenvolle Situation geratet.







Wer nicht trauern kann , und den
Schmerz des Abschieds
nicht kennt, hat niemals wirklich und
tief geliebt,
niemals die kostbare Erfahrung gemacht
einen Menschen
ganz nahe zu sein
und seine Freude
und Traurigkeit mit ihm zu teilen.



Vertrauen wir auf Gottes Versprechen
"Die Auferstehung und das ewige Leben nach dem Tod"
(Offenbarung)


Menschen die in der Liebe leben,
sehen tiefer.
Menschen die aus dem Glauben leben, sehen alles aus einem
anderen Licht