Umgang mit einem Suizidtrauernden

Tipps für dem Umgang mit einem (Suizid)-trauernden

Suizid ist immer noch ein totgeschwiegenes Thema.

Umso schlimmer ist es dann, wenn ein Suizidhinterbliebener ignoriert  oder einfach missachtet wird. Oder wenn er behandelt wird, als wäre nichts geschehen.

Hier muss man unterscheiden, wie sich der Hinterbliebene/Trauernde verhält. Möchte er etwas loswerden, oder zieht er sich von selber zurück. Das Letztere wäre die bequeme aber unvorteilhafteste Variante. Denn tief im Inneren schlummert der Schmerz. Wenn ein  Trauernder nicht von selber auf sich aufmerksam macht, dann ist es schwer auf ihn zuzugehen.

Anders ist es, wenn ein Trauernder andere Menschen mit seinem Redefluss erdrückt. Zuhören!! Enfach nur zuhören. Meist erwartet der Trauernde gar keine Antworten oder Beiträge. Sollte der Jenige, der zuhört, Ähnliches durchgemacht haben, kann er seine Erfahrungen gerne weitergeben. Meist hilft es schon zu hören, dass man nicht alleine ist mit dem Problem, und vor allem nicht "unnormal" ist oder "verrückt". Man hört, dass es Anderen genauso ergangen ist.

Trauer ist ein Ausnahmezustand, insbesondere wenn der Tod plötzllich kam. In dieser Trauer tickt man einfach anders. Viele Angehörige machen sich Sorgen um den Jenigen. Fragen sich, ob der Zustand besser wird?...Oder gar schlimmer?...
Oder es kommen Kommentare wie: Es muss weitergehen-Kopf hoch, es wird schon-Das Leben geht doch
weiter...usw...
Das sollte man besser lassen. Auch wenn es nicht so gemeint ist. Tief im Unterbewust des Trauernden macht sich Zorn breit. Er will gar nicht, dass es weiter geht, noch nicht. Angehörige, die vielleicht auch einmal in einem Trauerzustand waren,
können sich vielleicht zurückerinnern. Andere aber WOLLEN das nicht mehr. Die Trauer muss ausgelebt werden,  und deshalb bleibt die innere Uhr stehen. Der Trauernde KANN  einfach nicht anders. Sein Körper verbietet ihm, dass es im Moment weitergeht. Das ist eine ganz normale Reaktion, um mit dem Geschehenen fertig zu werden, es zu verarbeiten, DAMIT es eines Tages auch weitergeht. Aber nicht unmittelbar danach. Deshalb bitte keine gutgemeinten Ratschläge.
Wenn man sich mit dem Trauernden über das Unglück unterhält, trägt man schon viel zum Vorankommen bei. Normalerweise verschwindet eine Trauer nach einiger Zeit von selber, und man erfreut sich der Erinnerungen. Auch sollte man einen Trauernden nicht auf Parties zerren in der Hoffnung, dass Dieser dann abgelenkt ist. Das ist nur zeitweilig der Fall, aber wenn
er dann wieder zu hause allein ist, dann kommt er auf den Boden der Tatsachen zurück. Man kann sich in seine Nähe aufhalten, und ihm immer wieder Hilfe anbieten. Ihm zu verstehen geben, dass man immer für ihn da ist, wenn Hilfe gebraucht wird. Wenn die Trauer dann nach einer Zeit nachläßt, kann es sein, dass der Jenige auf einmal anders tickt. Sein Leben anders gestaltet. Auch darauf sollte man sich einstellen. Sein Körper hat nun einen Weg des Weiterlebens gefunden. Jetzt kann man sagen, dass das Leben weitergeht. ABER anders. Spätestens in dieser Phase erschrecken dann die nahestehenden Personen.
Nichts ist mehr wie es war.. was tun? Nun, einfach akzeptieren wie es ist.  Meist ist es aber so, dass sich insbesondere Freunde zurückziehen. Verwandte sind eher verwundert.Nicht selten kommt es aber vor, dass man sich einen neuen Freundeskreis aufbaut. Meist sind da Menschen mit bei, denen es ähnlich ging. Aber es muss nicht
zwangsläufig so sein.

Ich möchte noch einmal zurückkommen als ich am Anfang erwähnte, dass es zwei verschiedene Formen von Trauernde gibt. Diese, die so gar nicht aus ihrer Haut kommen. Auch sie trauern, aber nur in ihrem stillen Kämmerlein. Hier ist sehr viel Einfühlungsvermögen gefragt. Außer Hilfe anbieten kann man eigentlich nicht viel machen. Auch macht sich in keinem Fall die Frage "wie geht es?" gut.  Nun, wie soll es dem Trauernden schon gehen?...Wenn es jemandem ähnlich ergangen ist, dann sollte man von alleine anfangen zu erzählen, wie es einem damals ergangen ist. Sollte der stille Trauernde nicht aus sich heraus, dann kann man nicht viel machen, außer von sich aus helfen  so gut es geht, aber nichts aufdrängen.




In diesem Sinne, wünsche ich viel Kraft und Verständnis für einander